Ohne Computer kann ich mir meine Arbeit heute nicht mehr vorstellen. Recherchieren ohne Internet? Undenkbar. Schreiben ohne Textverarbeitung? Unmöglich. Dabei habe ich schon geschrieben, als ich noch keinen PC hatte.
Zu meiner Schulzeit machte ich meine ersten Tippversuche auf einer alten Olympia-Schreibmaschine, eine mechanischen. Ich habe sie noch, Modell Splendid. So einer, in der die Finger beim Tippen zwischen die Typen gerutscht sind, was ziemlich wehtat. ASDF-JKLÖ – was ich im VHS-Kurs gelernt hatte, hämmerte ich unermüdlich in die alte Olympia, die ich in einem Nostalgieanfall vor ein paar Tagen wieder hervorgekramt habe.
Im Studium gönnte ich mir dann eine Gabriele: eine elektrische Schreibmaschine mit sanfterem Anschlag. Darauf tippte ich meine Hausarbeiten. Zunächst überlegte ich, meine Examensarbeit vom Schreibservice abschreiben zu lassen, das war in den 80er-Jahren durchaus üblich. Doch nachdem ein Studienkollege daran nahezu verzweifelt war, weil die Schreibkraft altdeutsche Begriffe eingedeutscht hat, ließ ich dieses Experiment lieber sein.
Stattdessen wünschte ich mir eine neue Gabriele: eine mit Speicher. Sie hatte ein kleines Display und fraß zehn Seiten. Mehr nicht. Man konnte genau zehn Seiten schreiben und diese dann ausdrucken. Beim Weiterschreiben füllte sich der Speicher erneut. Das hieß aber auch: Einmal ausgedruckt, musste der Text sitzen. Hin- und herschieben und korrigieren, wie es heutzutage gang und gäbe ist, war nicht möglich.
Meine ersten Computererfahrungen sammelte ich als Freie in der WAZ-Lokalredaktion. Es war ein WAZ-eigenes Programm, grüne Schrift auf schwarzem Bildschirm. Internet gab es noch nicht – aber wozu hatte man das Handbuch des öffentlichen Lebens (das war der gute alte Oeckl), ein Telefon und ein Fax?
Und auch wenn man es sich heute kaum noch vorstellen kann: Es ging. Tatsächlich. Auch als Anfang der 90er Jahre Windows-Rechner (und in einer Redaktion auch Macs) zum Standard gehörten, waren Internet-Zugänge an jedem Rechner bei meinen damaligen Arbeitgebern längst noch nicht selbstverständlich. Es gab nur wenige Online-Rechner; große Datenmengen wurden “per ISDN” übertragen.
Ich erinnere mich, dass ich auch häufiger in einem der Bochumer Internet-Cafés saß, bevor ich Besitzerin eines wunderbaren 56k-Modems wurde, das ich an meinen Fujitsu-Siemens-Rechner in Bahamabeige anschloss.
Und heute? Da kann ich mir Arbeiten ohne DSL, Internet-Flatrate und schnellem Laptop gar nicht mehr vorstellen. Aber wenn ich mir meine alten Ordner mit Arbeitsproben und meine Studienarbeiten anschaue, merke ich: Es wurde schon immer recherchiert und geschrieben. Nur anders.
Foto Andrea Behnke